SolidarischeZukunftsbilder

Ein Berliner Tagebuch

frei nach Eugen Richter

Buchcover: Frank Schäffler, Solidarische Zukunftsbilder. Ein Berliner Tagebuch, frei nach Eugen Richter. Auf dem Cover eine Wartemarke ›Land Berlin · Wohn-Gerecht‹ mit der Nummer 41017.

SolidarischeZukunftsbilder

»Man ist nicht mehr seines Glückes Schmied, sondern wird angeschmiedet, wo es anderen gerade passt.«nach Eugen Richter

Berlin, September 2026: Die Linke wird stärkste Kraft und regiert mit Grünen und SPD. Jürgen Kowalski, Haustechniker in Neukölln und seit 1990 in der Partei, führt Tagebuch über die neue Zeit. Erst kommen Vergesellschaftung und Mietendeckel, dann die Zuteilung: der Kita-Platz, die Wohnung, die Wärme im Wohnzimmer. Am Ende zerfällt die Ordnung, die alles gerecht verteilen sollte.

1891 hat der Liberale Eugen Richter die Forderungen der Sozialdemokratie ernst genommen und zu Ende gedacht. Seine »Sozialdemokratischen Zukunftsbilder« wurden in zwei Jahren 251 000 Mal verkauft. Frank Schäffler macht es ihm nach, mit den Programmen von heute.

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Autor
Frank Schäffler
Reihe
Edition Prometheus
Titel
Solidarische Zukunftsbilder. Ein Berliner Tagebuch, frei nach Eugen Richter
Umfang
90 Seiten, Taschenbuch, 12 × 19 cm
Auflage
Erste Auflage, Berlin 2026
Verlag
BoD · Books on Demand
ISBN
978-3-69678-806-3

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Audio: Warum Enteignung nur den Mangel verwaltet

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DieLeseprobe

1. Die Siegesfeier

Wir haben gewonnen. 25,7 Prozent! Am Wahlabend habe ich geheult wie ein Schlosshund. Petra hat gemeint, ich solle mich zusammenreißen. Dann hat sie selbst geweint.

Seit 1990 stehe ich an Infoständen am Hermannplatz. Ich habe Flyer verteilt, als man uns noch »SED-Nachfolger« hinterherrief. Jetzt stellen wir bald die Regierende Bürgermeisterin. Damit hatte ich nicht gerechnet, und die Partei ehrlich gesagt auch nicht.

Unser Sohn Jonas ist Softwareentwickler bei einem Start-up in Mitte. Er hat Grün gewählt, »aus Vernunft«, wie er sagt. Seine Freundin Merve ist Tischlermeisterin mit eigener Werkstatt im Wedding, zwei Gesellen, ein Azubi. Sie hat gar nicht gewählt. Das sei doch alles dasselbe, sagt sie. Ich habe ihr einen Vortrag über Wahlbeteiligung gehalten, und sie hat mich komisch angeschaut.

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Porträt Frank Schäffler

DerAutor

Frank Schäffler, Jahrgang 1968, ist ein deutscher Politiker. Der Betriebswirt war von 2005 bis 2013 und von 2017 bis 2025 Abgeordneter des Deutschen Bundestages. Der Finanzexperte stellte sich insbesondere ab 2009 in der Euro-Schuldenkrise gegen die Rettungsmaßnahmen überschuldeter Staaten in Europa und galt 2023 in der Diskussion um das Heizungsgesetz als einer der schärfsten Kritiker innerhalb der Ampel-Koalition. Schäffler vertritt klassisch liberale Positionen: solide Staatsfinanzen, stabiles Geld und den Schutz des Eigentums.

Er schreibt über Geld, Schulden und Freiheit und ist Geschäftsführer der Prometheus – Heimat der Freiheit gGmbH. 2026 erschien sein Buch »Generation Debts – Die Generation, die alles bezahlen muss«.

Kontakt

DasVorwort

Eugen Richter war der wohl wichtigste Liberale des Kaiserreichs. 1891 veröffentlichte er seine »Sozialdemokratischen Zukunftsbilder«, das Tagebuch eines braven Berliner Buchbindermeisters, der den Sieg der Sozialdemokratie erlebt. Zuerst jubelt er, als die rote Fahne über dem Schloss weht. Dann verliert er nach und nach die Ersparnisse der Familie, seine Wohnung, seine Kinder und am Ende seine Frau. In den ersten zwei Jahren wurden 251 000 Exemplare verkauft. Richter hat dafür nicht viel erfinden müssen. Er hat aufgeschrieben, was Bebel und Liebknecht selbst gefordert hatten, und es weitergedacht.

Am 20. September ist die Linke in Berlin mit 25,7 Prozent erstmals stärkste Kraft geworden. Mit Grünen und SPD reicht es für eine Mehrheit. Als dieses Buch entsteht, ist die neue Regierung noch nicht gebildet. Vielleicht kommt es anders. Aber angenommen, es kommt so: Was wird dann aus den Mietern, den Handwerkern und den Sparern dieser Stadt?

Ich habe die Wahlprogramme ernst genommen und wie Richter weitergedacht. Die Anmerkungen nennen die Stellen.

Mein Erzähler heißt Jürgen Kowalski. Er ist Haustechniker bei einer landeseigenen Wohnungsgesellschaft in Neukölln und seit 1990 in der Partei, erst in der PDS, dann in der Linken. Er ist ein anständiger Kerl und meint es gut, wie Richters Buchbinder.

Frank Schäffler, im Oktober 2026

Inhaltsverzeichnis: 36 Kapitel
  1. Die Siegesfeier
  2. Die ersten Beschlüsse
  3. Unzufriedene Leute
  4. Die Vier-Tage-Woche
  5. Die neue Wohnungsvergabe
  6. Eine Plenarsitzung
  7. Die Zuteilung
  8. Der letzte Familientag
  9. Das neue Geld
  10. Die neue Häuslichkeit
  11. Nachrichten aus den Bezirken
  12. Die Klimaküche
  13. Aus den Werkstätten
  14. Die Abwanderung
  15. Ein ärgerlicher Zwischenfall
  16. Senatskrise
  17. Seniorenwohnen
  18. Volksbelustigungen
  19. Üble Erfahrungen
  20. Die Flucht
  21. Wiederum ein Rücktritt
  22. Die Abstimmungsbewegung
  23. Trauerkunde
  24. Der Tag danach
  25. Die Beerdigung
  26. Das Abstimmungsergebnis
  27. Das große Defizit
  28. Familiennachrichten
  29. Eine stürmische Plenarsitzung
  30. Streik in Sicht
  31. Mahnschreiben aus dem Bund
  32. Streik und Haushaltssperre zugleich
  33. Die Ordnung zerfällt
  34. Unheilvolle Nachrichten
  35. Am Abend
  36. Letztes Kapitel

Dazu Vorwort, Nachwort, Anmerkungen und Quellen.